Hochzeit auf Abwegen von M.Monreau

Titel: Hochzeit auf Abwegen
Autor: Marie Monreau
eBook

Henriette ist Scheidungsanwältin und die Freundin von Felix. Besser kann man ihren Job nicht beschreiben. Felix allerdings lässt sie vor dem Traualtar stehen und plötzlich ist sie allein. Doch ein paar glückliche Zufälle lassen Henriette ihre Beziehung zu Felix klarer sehen und sie beschließt, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Dieses Buch ist über das Ende einer Beziehung, vor allem aber über den Neuanfang einer Frau, die sich in ihrer Beziehung komplett verloren hat. Es ist ein Buch über Selbstfindung, und dass es manchmal nicht leicht ist, aber dennoch lohnenswert.
Henriette ist anstrengend mit ihren Selbstzweifeln und manchmal hätte ich sie gerne aus dem Buch gezogen und etwas Vernunft in sie geprügelt. Doch sie wächst mit ihren Aufgaben und die Menschen um sie herum unterstützen sie in allem.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht, das Buch lässt sich in einem Ruck durchlesen. Man ist gespannt, was Henriette alles so anstellt um Rache an Felix zu üben. Und ich finde das Ergebnis überaus schlau, nicht das, was man erwarten würde.

Sie gingen einen langen Weg von P.Hakenjos

Titel: Sie gingen einen langen Weg
Autor: Peter Hakenjos
Taschenbuch

„Der Krieg und der Faschismus haben uns alle zu etwas gemacht, das wir nie sein wollten. Wir haben vergessen, uns auf das zu besinnen, was uns stolz machen könnte. Es wird Zeit, dass unsere Völker zueinanderfinden, und dass sich unsere Jugend nicht auf den Schlachtfeldern gegenseitig umbringt.“ (S.159)

Aram wurde von der deutschen Wehrmacht nach Karlsruhe als Zwangsarbeiter in eine Munitionsfabrik verschleppt. Dort gerät er ins Visier eines SS-Mannes, der in zum Verrat an seinen eigenen Leuten verführt. Aram flieht und sein Vorarbeiter Rudolf hilft ihm dabei.
Leni flieht mit ihrer Familie aus Ostpreußen vor den Russen ins Deutsche Reich. Auf dem Weg werden ihre Eltern getötet, sie vergewaltigt und sie wird von ihrer kleinen Schwester getrennt. In ihrer Not fällt ihr nur ihr Onkel Rudolf ein und sie macht sich auf den Weg nach Karlsruhe.

Dieses Buch beschreibt nicht nur das Schicksal eines Zwangsarbeiters aus der Sowjetunion, sondern auch einer Deutschen, die selber zum Kriegsflüchtling wird. Zwei Facetten eines Krieges.
Es ist aber auch ein Buch über das Ende des zweiten Weltkrieges. Es zeigt, dass nicht nur die Bösesten der Bösen Nazis waren, sondern dass die Ideologie und der Hass auch in der Bevölkerung tief verwurzelt sind. Und dieser Hass lässt sich trotz der vielen Gräueltaten, die öffentlich wurden, so einfach abschalten. Es zeigt aber auch, dass wir alle nur Menschen sind. Damals wie heute. Und dass Liebe manchmal Grenzen überschreitet, die nur in den Köpfen der Menschen sind.

Engel sprechen Russisch von M.Vachedin

Titel: Engel sprechen Russisch
Autor: Mitja Vachedin
Verlag: DVA
Gebundene Ausgabe

„Schickt uns alle direkt in den Himmel, lasst es ewig so bleiben, mehr brauche ich wirklich nicht.“ (S.66)

Engel sprechen Russisch beschreibt das Zahnpastaleben des Autors: drei Schichten, drei Jahrzehnte, drei Städte: Leningrad, Sankt Petersburg und eine Stadt am Rhein. Es sind schöne Jahre. Verrückte Jahre. Und manchmal kaum zu glauben.

Der Autor erzählt Geschichten aus seiner Jugend, vermischt mit Gedanken und Fantasien. Alles aus der Ich-Perspektive, sodass man das Gefühl hat bei einer Flasche Vodka alles direkt erzählt zu bekommen. Wir lernen seine Mutter und seine Babuschka kennen, seine Freunde und das kleine russische Leben. Und am Ende stehen wir wieder am Anfang. Beim Zahnpastaleben.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Geschichten spannend, alles in allem ein nettes, kleines Buch für Zwischendurch.

Ghost – Wenn Liebe Flügel hätte von F.Göbke

Titel: Ghost – Wenn Liebe Flügel hätte
Autor: Franziska Göbke
Taschenbuch/ eBook

Leni erleidet einen Tiefschlag nach dem anderen .Als sie eines Tages einen fremden Mann am Krankenbett ihrer Mutter trifft, scheint sie völlig den Verstand zu verlieren. Doch er gibt ihr Ruhe und Kraft, obwohl er nicht real zu sein scheint.

Dieses Buch hat alles, was ein Bücherherz braucht: Kuchen, Liebe und Spannung. Wer dieses Buch ohne süße Teilchen genießt, ist selbst Schuld.
Leni ist Bäckerin, die sich den Traum von einer eigenen Bäckerei erfüllt hat. Leider läuft der Laden durch die schlachte Lage nicht so gut. Doch ihre Angestellt Sabrina greift ihr ordentlich unter die Arme und schnell merkt Leni, dass sie sich nie Zeit genommen hat Sabrina ordentlich kennen zu lernen.
Raphael ist ein geheimnisvoller, schweigsamer Typ, der Leni von vornherein warnt, dass er nicht gut für die Menschen in seiner Nähe ist. Und doch kann er sich nicht von ihr fernhalten. Und auch Leni kann ihm nicht ganz widerstehen.
Mehr möchte ich leider nicht verraten, denn das würde zu viel der Story verraten. 😉
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Protagonisten sympathisch und die neue Franziska Göbke gefällt mir richtig gut. Ich hoffe, sie findet bei allen anderen auch Anklang. 😉 Ich gehe dann mal backen.

Der Vorgang Benario von R. Cohen

Titel: Der Vorgang Benario – Die Gestapo-Akte 1936-1642
Autor: Robert Cohen
Verlag: edition berolina
Gebundene Ausgabe

„Der von der Gestapo sogenannte >Vorgang Benario< ist die vielleicht umfassendste Sammlung an Dokumenten zu einem einzelnen Opfer des Holocaust. Zugleich bilden diese Dokumente […] eine umfassende Selbstdarstellung der Täter und der Ideologien, Zwänge, Mechanismen, Organisationen und Strukturen, die sie leiten.“ (S.8)

Jeder, der mich kennt, weiß, dass mir unsere Geschichte sehr wichtig ist. Vor allem die Gräueltaten aus dem Dritten Reich sollten nicht vergessen werden. Und doch zeigt die heutige Politik, dass genau das passiert. Von allen Opfern berührt das Schicksal von Olga Benario-Prestes mich besonders. Und zwar so sehr, dass ich sie auf meinem linken Arm verewigt habe. In Herznähe. Umso „erfreulicher“ ist es für mich, dass dieses Buch erschienen ist. Vielen Dank an meine Seelenschwester, dass sie mir diesen Herzenswunsch nach diesem Buch erfüllt hat.
Nach einem Vorwort von etwa 20 Seiten, in dem die Geschichte von Olga und ihrem Mann Luiz Carlos Prestes grob umrissen wird, werden die Mitteilungen aus der Gestapo-Akte mit Datum, Sender und Empfänger wiedergegeben. Es ist zum einen sehr spannend, wie die politischen Ansichten in diesen Vermerken der Gestapo deutlich werden. Zum Beispiel wird Leocádia Prestes immer als „angebliche Schwiegermutter“ von Olga bezeichnet, da die Ehe mit Luiz Carlos Prestes bis zum Ende nicht anerkannt wurde. Auch der Grund der Schutzhaft wechselt zwischen gefährlicher Kommunistin und Volljüdin hin und her.
Auf der anderen Seite wird die Unterstützung aus dem Ausland genauso deutlich, wie die Angst vor „Hetzpresse“ über das Reich. Nicht nur die Verwandten und Freunde von Olga bemühen sich um Entlassung, sondern auch deren Bekannte und diverse öffentliche Organisationen. Das Schicksal von Olga, Sabo und Anita ging um die Welt. Und doch war keine Rettung für Olga und Sabo möglich. Es ist ein berührendes Schicksal. Und gerade Einzelschicksale bleiben uns eher im Gedächtnis als das Grauen als Ganzes, welches kaum zu begreifen ist.

Dieses Buch lehrt uns also nicht nur, wie es Olga in Gefangenschaft ergangen ist, sonder auch welche Angst das Reich vor ihr eigentlich hatte. Ich schöpfe Kraft aus ihrem Mut und hoffe einfach, dass auch andere von ihr lernen.

Olga Benario von Ruth Werner
Briefwechsel zwischen Olga Benario-Prestes und Luiz Carlos Prestes

Schwebezustand von A.Jungwirth oder: Warum ich mich manchmal alt fühle

Titel: Schwebezustand
Autor: Andreas Jungwirth
Verlag: cbt
Taschenbuch

Manchmal gibt es so Momente, da komme ich mir alt vor. Zum Beispiel wenn ich erzähle, dass ich ein mal im meinem Leben Schule geschwänzt habe. Und zwar um zu einer Demo gegen Bush und den Irakkrieg zu gehen. Und wenn dann die Antwort kommt „Das war vor zwei Präsidenten!“, dann, ja dann!, fühle ich mich alt.
Oder aber wenn ich ein Buch lese und nur denke „Was für eine gequirlte Teenie … mist.“ Nicht, dass das Buch schlecht ist. Ich komme nur mit den Teeniedramen nicht zurecht. Beste Freundinnen, die sich wegen eines Jungen streiten. Es mag sein, dass es daran liegt, dass die Protagonisten 14 sind und ich schon mehr als doppelt so alt. Wer meinen Blog verfolgt weiß aber, dass ich hauptsächlich Jugendbücher lese. Aber dieses hier ist mir irgendwie zu jung. Zu banal.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, nur über einige Formulierungen oder Wörter stolper ich ab und an und bin mir nicht sicher, ob sie falsch sind oder mit Absicht so gemeint.
Spannung wird durch die Tagebucheinträge von Paul erzeugt. Und wie es weitergeht, kann ich leider nicht sagen, denn ich habe die Geduld mit Sophie, Vanessa und Jonas verloren. Es tut mir leid, aber das Buch ist so gar nicht meins. Ich fühle mich schlichtweg zu alt dafür.

Wenn der Mond am Himmel steht, denk ich an dich von D.Ellis

Titel: Wenn der Mond am Himmel steht, denk ich an dich
Autor: Deborah Ellis
Verlag: cbj
Taschenbuch

>>„Mit Wut erreicht man mehr als mit Trauer!“, skandierten sie. „Mit Schreien mehr als mit Tränen! Wir müssen den Feind schlagen, statt auf bessere Zeiten zu hoffen! […]“<< (S. 81)

>>Ein Zimmer ohne Sadira fühlt sich leer an. Aber wenn Sadira da war, spielte es keine Rolle, wer noch anwesend war – Sadira war die Einzige, die Farrin wahrnahm. Und egal, wie viel Zeit sie miteinander verbrachten – es war immer zu wenig.<< (S.150)

Farrin darf nicht auffallen. Als sie jedoch Sadira kennen lernt, ändert sich alles. Während Farrin versucht zum Durchschnitt zu gehören, weil ihre Mutter das so verlangt, ist es Sadira nicht peinlich anders zu sein. Sie strengt sich in der Schule an und bildet über alles ihre eigene Meinung. Nicht nur über die Politik im Iran nach der Revolution, sondern auch über Farrin. Als sie ihre Liebe zueinander entdecken, wird der Staat zu ihrem Feind.
Dieses Buch rüttelt wach. Während bei uns mittlerweile die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlaubt ist, gibt es immer noch genügend Länder, in denen selbst Partnerschaften verboten sind. Es gibt auch mehr als genug intolerante Menschen, die Homosexualität als „sittenwidrig“ und „wider der Natur“ ansehen. Genau darum geht es in diesem Buch. Es ist eine Liebesgeschichte, aber keine schöne. Und doch ist es eine der schönsten, denn sie ist wahr. Und das macht doch die besten Geschichten aus, oder nicht?

Monatsrückblick: September 2017

Ich mag den Sommer, dass ist die schönste Woche im Jahr! Hier sind meine gelesenen Bücher:
Game Over
Hundeherz & Wolfsgesang
This Love has no End
Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge
Zorn und Morgenröte
Die Hörige – Falkenflug 1
More than winnig: Die Verratenen
Nur der Tod vergisst
– Ghost – Wenn Liebe Flügel hätte (ET: 06.10.2017)

Das macht 9 beendete Bücher und 2144 gelesene Seiten. Niedrigstand dieses Jahr, zumindest von der Seitenanzahl her. Hier kommen meine Neuzugänge und mein SuB:

Neuzugänge: 12

SuB: 28 Bücher

Top Charakter: Ich hänge immer noch an Rhys vom letzten Monat^^
Flop Charakter: Gibts keinen wirkich
Top des Monats: Umzug überstanden, neues Tattoo (ja, schon wieder^^)

Flop des Monats: Wahlergebnisse. Ehrlich Leute, Die Partei nur 1%? Das geht doch besser.

More than winning von L.Häßy

Titel: More than winning – Die Verratenen
Autor: Lisa Häßy
ebook/Taschenbuch

Klappentext:
Eine geschwächte Göttin.
Dutzende potenzielle Leibwächter.
Und ein Verräter…
Für Sophie geht es um alles: Ihr steht nach monatelangem Training bald die Ehre bevor, in die Leibgarde der Göttin Alba einzutreten. Alles hängt vom nächsten Prüfungskampf ab.
Doch auf einmal entwickeln sich die Dinge anders: Vielversprechende Kandidaten sterben überraschend, hochrangige Ausbilder scheinen plötzlich unzurechnungsfähig und längst vertrieben geglaubte, dunkle Kreaturen werden wieder zuhauf gesichtet. Keine Frage, dass etwas gehörig schief läuft – manch einer befürchtet sogar, dass die schwarzmagischen Kriege erneut vor einem Ausbruch stünden.
Doch bevor Sophie weiß, wie ihr geschieht, muss sie sich selbst in der Arena stellen – und dort begreift sie, dass es hier bereits um weitaus mehr geht als ums Gewinnen …

Ich habe dieses Buch gelesen und nun sitze ich hier und mir fehlen die Worte. Es ist wirklich schwierig ein Buch zu beschreiben, dass eine super Grundstory hat, sympathische Charaktere und eine starke Protagonistin, aber (das gefürchtete Aber) unheimlich langatmig ist. Das Buch beginnt sehr spannend, und die Protagonistin Sophie erklärt das System, wo sie sich befinden, wieso sie sich dort befinden und eigentlich alles, was wichtig ist. Eingepackt in ihre Gedanken und Beobachtungen ist es anfangs wirklich fesselnd. Doch leider passiert ca. 70 Seiten nichts weiter, als dass sie vor der Arena stehen und Sophie über alles nachdenkt.
Vielleicht bin ich verwöhnt, denn das Buch an sich ist nicht schlecht. Wie gesagt, die Grundstory ist fantastisch, die Idee dahinter mehr als spannend. Aber die Umsetzung ist mir zu lang, sodass ich mich immer erinnern musste, dass ich noch ein Buch lesen muss. Ja, muss. Das hat es wirklich nicht verdient, aber mein Interesse schweifte leider schnell ab.
Vielleicht gibt es ja interessierte Leser, die dem Buch trotz meiner Rezension, oder gerade deswegen, eine Chance geben.

Nur der Tod vergisst von P.Hakenjos

Titel: Nur der Tod vergisst
Autor: Peter Hakenjos
Verlag: Der kleine Buchverlag
Taschenbuch

„Wir alle sollten beschämt sein über das, was geschehen ist und alles Menschenmögliche unternehmen, um zu verhindern, dass Wahnsinnige in einem Volk das Sagen bekommen. Wir dürfen nie mehr zulassen, dass Menschen ohne Schuld zu Opfern von Gaskammern oder Brandbomben werden.“ (S.221)

„Verzeihen heißt nicht vergessen, auch nicht, unsere Schuld zu bagatellisieren oder Mörder zu entschuldigen.“ (S.169)

Im Januar 1944 ist Ulf 18 und wird eingezogen. Er möchte gerne zur SS und weil er sehr groß und stattlich ist, wird ihm dieser Wunsch erfüllt. Doch in der Normandie wird er verletzt. Und so findet er sich am 23. Februar 1945 in seiner Heimatstadt Pforzheim wieder, als die Stadt mit Brandbomben zerstört wird. Danach gerät er in Kriegsgefangenschaft und trifft alte Bekannte wieder. So gelangt er auf die Flucht und überlebt den Krieg. Doch seine Gräueltaten und die Bilder aus Pforzheim lassen ihn ein Leben lang nicht los.
Dieses Buch ist ein etwas anderes Buch gegen das Vergessen. Selten werden die SS-Männer als Menschen angesehen. Und viele haben ihre Menschlichkeit auch verloren. Doch Ulf bereut seine Taten und lebt mit einer Schuld, die ihm keiner abnehmen kann. In diesem Buch wird öfter deutlich, wie zwiegespalten Ulf ist. Ich möchte keineswegs die SS in Schutz nehmen, nichts liegt mir ferner. Doch damals wie heute sollte man eben nicht alle über einen Kamm scheren. Das sagt auch Ulf.
Alles in allem ist es ein spannendes Buch über eine Flucht, mal aus der Sicht der Täter, die vor ihrer Schuld fliehen. Zumindest auf Ulf trifft das zu. Es ist auch ein Buch über das Kriegsende aus Sicht eines Deutschen, der eigentlich alles hinter sich lassen möchte.Es ist aber vor allem ein Buch gegen das Vergessen, das sehr zum Nachdenken anregt.

Die Hörige von M.Gerwinski

Titel: Die Hörige – Falkenflug 1
Autor: Markus Gerwinski
Verlag: BoD
Falkenflug-Trilogie

Klappentext:
Im Schatten eines heraufziehenden Krieges wachsen die leibeigene Bauerstochter Gunid und Ragald, der Sohn ihres Lehnsherrn, als beste Freunde auf. Mit dem Erwachsenwerden schiebt sich die Standesgrenze zwischen sie. Doch als Ragald im Kampf gegen die plündernden Horden der Jattar vermisst wird, folgt Gunid seiner Spur.
Bald finden sie sich in eine Geschichte um Verrat und finstere Mächte verstrickt, die den Bestand des ganzen Königreichs bedroht. Zwischen Grauen, Gewalt und Tod auf der einen und atemberaubenden Wundern auf der anderen Seite erleben sie die phantastischste Reise ihres Lebens.

Gunid und Ragald sind zwei sehr unterschiedliche und sehr gut zueinander passende Charaktere. Nicht nur ihre Kindheit und ihr gesellschaftlicher Stand unterscheiden sich, sondern auch ihr Mut. Während Gunid den kleinen Ragald vom Eis rettet, oder ihn sofort suchen geht, als er vermisst wird, schafft Ragald es nicht mal ohne Gunids Hilfe über eine schwankende Brücke. Und trotzdem ist er der Ritter und sie die Hörige.
Trotz allem ist ihre Freundschaft unerschütterlich, meistens zumindest. Gunid tut alles für Ragald und er lernt sie mehr zu schätzen als sowieso schon.
Doch dieses Buch ist keine Liebesgeschichte. Es geht um Krieg, den Verlust geliebter Menschen und das Lehenswesen. Historisch gesehen sehr spannend, mit einem Hauch Fantasie.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, der Perspektivwechsel zwischen Gunid und Ragald macht alles spannender und die Charaktere und das Setting sind sehr realistisch. Als wäre man mit Gunid selbst auf dem Feld bei der Arbeit. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.

Zorn und Morgenröte von R.Ahdieh

Titel: Zorn und Morgenröte (Band 1)
Autor: Renée Ahdieh
Verlag: one
Gebundene Ausgabe
Reihe

Klappentext:
Jeden Tag erwählt der Kalif ein Mädchen.
Jeden Abend nimmt er sie zur Frau.
Jeden Morgen lässt er seine Braut hinrichten.
Bis die eine auftaucht, die um jeden Preis überleben will. Doch kann ein einzelnes Mädchen den Lauf der Geschichte ändern?

Shahrzad hat sich freiwillig gemeldet, um den Kalifen zu heiraten. Doch ihr Ziel ist es, den Tod ihrer besten Freundin zu rächen. Doch dazu muss sie die eine Nacht überleben. Und so ist es ihr Ziel, so lange am Leben zu bleiben, bis sie eine Möglichkeit findet, den König der Könige umzubringen. Doch mit jedem Tag lernt sie ihn mehr kennen.

Dieses Buch ist ein Märchen aus 1001 Nacht. Shazis Leben im Palast wirkt wie ein Traum auf einer warmen Sommerwiese. Und ihre Nächte wie die schlimmsten Albträume. Doch Shazi ist nicht, wie man es erwartet. Zumindest nicht, wie alle im Palast es erwarten. Und ihre Magd Despina unterstützt sie, wo sie nur kann.
Aber auch der Kalif ist nicht, wer er scheint. Doch dazu möchte ich lieber nicht zu viel verraten, denn mit Shazi zusammen lernt der Leser ihn mehr kennen. Und vielleicht schaffen wir es auch hinter sein Geheimnis zu kommen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig. Erzählt wird aus den Perspektiven der einzelnen Protagonisten, was ein gutes Gesamtbild ergibt. Man möchte aus dieser Welt gar nicht mehr auftauchen. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge von M.Corradini

Titel: Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge
Autor: Matteo Corradini
Verlag: cbj
Taschenbuch

„Die Sonne weiß von alldem nichts, sie sieht uns nicht, wenn wir die Zeitung schreiben und unser Leben riskieren, um ein Bild fertig auszumalen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal sauer auf die Sonne sein und die Morgendämmerung nicht mehr genießen könnte, dieses prachtvolle Schauspiel, für das man keine Eintrittskarte braucht. […] Ich hätte nie gedacht, dass ich die Sonne einmal hassen würde.“ (S.85)

Theresienstadt ist ein Ghetto für Juden, welches auch als Vorzeigeghetto benutzt wurde, um dem Roten Kreuz zu beweisen, dass die Nazis die Juden gut behandeln. In diesem Ghetto leben Kinder aus Prag, die die Zeitung Vedem gegründet haben. Jeden Freitag treffen sie sich nachts und schreiben eine neue Ausgabe. Sie riskieren ihre Leben dafür. Am Ende sind nur noch diese Zeitungen Zeuge, dass sie überhaupt gelebt haben.
Die Jungs schreiben über alles, was ihnen im Ghetto auffällt. Neuigkeiten, Termine, aber auch Ungerechtigkeiten, Tote, oder Plätze und Menschen, die neu sind, oder einfach bisher unentdeckt. Sie erhalten aber auch Gedichte, Geschichten und Bilder von anderen Kindern, die sie in ihren Zeitungen mit veröffentlichen.
Alles in allem ist dies ein Roman über die Kinder in Theresienstadt und wie sie versuchen zu überleben und am Ende scheitern. Es ist ein Buch über Kinder, die ihre Leben riskieren, um etwas Gutes ins Ghetto zu bringen, aber auch um die Wahrheit deutlich hervorzuheben. Es ist aber auch ein Zeitzeugenbericht über Theresienstadt, mit Kinderaugen, denn sie sehen meist mehr als die Erwachsenen.

This Love Has No End von T.Wallach

Titel: This love has no end
Autor: Tommy Wallach
Verlag: cbj
Taschenbuch

„Keiner hört jemals wirklich auf, sich jung zu fühlen. Wir mögen einen Job kriegen und einen Ehemann und ein Haus, aber die ganze Sache mit dem Erwachsensein ist bloß eine Farce.“ (S.215)

„Den Ausdruck >> Zeit totschlagen << mochte ich schon immer. Als ob Zeit ein böser Drache sei, den man abschlachten müsse. Dabei stirbt Zeit, wie alles andere auf dieser Welt, ja leider eines natürlichen Todes, Jahr für Jahr, Stunde um Stunde, Sekunde für Sekunde. Es ist das reinste Zeitmassaker, das da permanent stattfindet.“ (S.69)

Klappentext:
Als Parker in einer Luxushotellobby dem faszinierenden Mädchen Zelda begegnet und sie um ein obszön dickes Banknotenbündel erleichtert, ist es vorbei mit seiner Unsichtbarkeit. Denn eigentlich hat er die Kunst perfektioniert, niemandem aufzufallen. Doch die silberhaarige Zelda sieht ihm mitten ins Herz. Und so lässt Parker sich mit ihr auf eine hochriskante Wette ein. Die wird sie beide in einem atemberaubenden Wirbel durch die Nacht tragen, sie werden der Liebe begegnen, dem Glück über den Weg laufen, dem Tod ins Auge schauen und erkennen, was ihnen ihr Leben wert ist.

Parker und Zelda, eine Liebesgeschichte, die man so nicht erwartet. Aber vor allem, weil man diese beiden Charaktere so nicht erwartet. Da hätten wir zum einen Parker, der Erzähler dieser Geschichte. Er ist 17 Jahre alt, mittelsüß, und kann nicht reden. Deswegen schreibt er seine Antworten in ein Notizbuch. Und seine Geschichten. Er hat schon sein 105. Notizbuch, als er im Hotel Palace sitzt und Menschen beobachtet. Dann entdeckt er Zelda und sie verströmt perfekte Traurigkeit.
Zelda ist eine interessante Persönlichkeit. Beeindruckend. Wie Parker ist man sich nicht sicher, ob sie die Wahrheit sagt oder nicht. Und doch schwindet der Zweifel mit der Zeit.
Zusammen erleben sie ein fantastisches Wochenende. Zelda holt das beste aus Parker raus. Und nicht nur er lernt sich besser kennen.
Dieses Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Der Schreibstil ist so locker flockig leicht, dass ich in Parkers Welt eingetaucht bin und am Ende erst wieder auftauchen musste. Das waren wunderbare 3 Tage mit ihm und Zelda und mit einem Lächeln im Herzen denke ich an die beiden zurück.

Hundeherz & Wolfsgesang von M.Auerswald

Titel: Hundeherz & Wolfsgesang – Mythen, Ahnenwissen und Heilkräfte
Autor: Maria Auerswald
Verlag: Kynos/
Taschenbuch

„Manchmal müssen wir eine Pause einlegen, damit unsere Seelen uns wieder einholen können.“ (Indianisches Sprichwort) (S.10)

Ich gebe zu, bei diesem Buch war das eindeutig eine Coverentscheidung, es zu lesen. Natürlich fand ich das Thema generell interessant, aber das Cover, also der Wolf auf dem Cover, hat mich magisch angezogen. Dementsprechend gespannt war ich, wie das Buch nun inhaltlich ist. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Zuerst werden Überlieferungen der Naturvölker erzählt und die Rolle der Wölfe, später Hunde, analysiert.
Als nächstes werden Namen genannt und ihr Ursprung und deren Bedeutung beschrieben.
Sehr spannend fand ich die Mythen und Märchen aus aller Welt, denn auch die Wölfe aus den Märchen der Gebrüder Grimm werden analysiert und erklärt, wann sie zu etwas Bösem wurden.
Als nächstes gibt es eine Sammlung über Heilpflanzen (Hunds- und Wolfspflanzen), deren Ursprung und wogegen oder wofür sie sind.
Der Hund erscheint auch in der Astrologie und somit wird dessen Bedeutung ausführlich beschrieben.
Ganz zum Schluss geht die Autorin genauer auf ihre Arbeit mit Hunden in Therapien ein, und auch als Sterbebegleiter.
Das Buch ist also sehr spirituell angehaucht, zuweilen esoterisch, und trotzdem ist es auch sachlich. Die Mythen aus anderen Ländern und deren Bedeutung haben mir am besten gefallen. Die Bedeutung des Wolfes damals und des Hundes heute kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch aus anderen Büchern bewundere ich die Wölfe sehr, und die Hunde im echten Leben. Die Autorin hat Recht, wenn sie sagt, wir sollten manchmal mehr wie unsere Hunde leben. Im hier und jetzt. In uns selbst ruhend.
Alles in allem ist es ein informatives Buch, ein Märchenbuch, ein Buch für die Seele, ein spiritueller Leitfaden und ein Buch, das zum Nachdenken über sich selbst und die Welt anregt. Ich kann das Buch sehr empfehlen.