Blogger Adventskalender: Interview mit Klara Bellis

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Liebe Klara Bellis,

durch Zufall bin ich in einer Facebook-Hilfegruppe für Autoren damals auf dein Rezensionsangebot gestoßen und habe dadurch das beste Buch (für mich) 2015 gelesen. Und es war sogar so gut, dass es mich bis in dieses Jahr begeistert hat. Deswegen schon mal vielen Dank nicht nur für das Buch, sondern auch für die Chance auf ein Interview mit dir.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Zum Schreiben bin ich recht spät gekommen. Das fing 2010 an, als ich in einer Internet-Community des Radiosenders MDR KULTUR erste Blogtexte veröffentlicht hatte. Im Grunde haben mich die Communitymitglieder dazu angestachelt, am Schreiben dranzubleiben.

Wird die Öffentlichkeit jemals in den Genuss deiner ersten Geschichten oder Cartoons kommen?
Ja. Auf jeden Fall. Die Texte aus der o.g. Community hatte ich 2013 in einem E-Book unter dem Titel „Mit Eulen kuschelt man nicht“ veröffentlicht. Das sind ganz kurze Geschichten aus dem Alltag mit einem ironischen Blick auf die Realität. Zur selben Zeit hatte ich cartoonähnliche Tierzeichnungen samt absurden Beschreibungen bei Facebook und in besagter Community hochgeladen. Die landeten irgendwann in einer Zoologievorlesung an der Uni in Halle (Saale) und inzwischen gibt es sie als E-Book unter dem Titel „Schräge Biester“ und als Dauerausstellung im Aussichtsturm des Zoos in Halle.

Welche Bücher haben dich als Kind besonders begeistert? Haben sie dein Leben als Autorin beeinflusst?
Ehrlich gesagt hatte ich als Kind gar nicht so viele Bücher. Ich komme aus einem kleinen Dorf und da gab es keine Buchhandlung. Durch einen Zufall gerieten mir irgendwann einmal Bände von Mark Twain in die Hände: „Die Arglosen im Ausland“ und „Bummel durch Europa“. Der humorvoll ironische Schreibstil hatte es mir sofort angetan. Das beeinflusst mich bis heute.

Wie bist du auf den Namen „Klara Bellis“ gekommen?
„Bellis“ war der Name, den ich in der Kulturcommunity verwendet hatte. Da ich damals für die Leute aus der Community erkennbar sein wollte, hatte ich meinen Nicknamen einfach als Nachnamen verwendet. „Klara“ hatte ich mir spontan ausgedacht, weil ich einen Vornamen brauchte, den ich auf das erste Buchcover schreiben konnte. „Bellis“ ist übrigens der botanische Name des Gänseblümchens (Bellis perennis).

Wie bist du auf den Namen Trywwidt gekommen? Und auf das Zwitschern als Elfensprache?
Das ist mir spontan eingefallen, als ich das Foto von „Trywwidt“ bei einem Szenefotografen entdeckte, mit dem ich bei Facebook verbunden bin. Das war letztlich auch der Auslöser, den Roman zu schreiben. Das Vogelzwitschern leitet sich von dem Namen „Trywwidt“ ab, da der Name ein klein wenig so geschrieben wird wie die Zwitscherlaute von Vögeln, wenn sie in irgendeinem Ornithologiebuch beschrieben werden.

Woher kommen die fantastischen Ausdrücke, die Trywwidt verwendet?
Ach du fieser Frettchenfurz! Was für eine schwierige Frage. Ursprünglich hatte Trywwidt nur mit dem Wort „Käferkacke“ ihr Missfallen ausgedrückt. Im Laufe der weiteren Romanhandlung fielen mir dann noch ein paar andere Schimpfwörter ein. Die Autorin Daniela Rohr, die recht abgefahrene Sachen schreibt, war eine meiner Testleserinnen und meinte, dass solche skurrilen Wortschöpfungen bei Lesern besonders gut ankommen. Also hab ich mir noch ein paar mehr ausgedacht.

Bei der Kaiserin der Nacht denkt man zu erst einmal an Vampire. War das Absicht? Gezielte Irreführung der Leser, weil Vampire so modern sind? 😀
Die Bezeichnung „Kaiserin der ewigen Nacht“ war wieder so eine spontane Bauchentscheidung, wie bei „Trywwidt“ und der Vogelsprache. Vielleicht habe ich da auch ein bisschen an die Kaiserkrone gedacht, eine eindrucksvoll blühende Zwiebelpflanze.
Dass Vampire so einen Hype hatten und im Grunde schon wieder out waren, war mir zum Zeitpunkt, als ich die Grundzüge der Geschichte entwickelt hatte, nicht bewusst. An mir sind die Twilight-Romane völlig vorbeigegangen, da ich zu der Zeit viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war. Mir wurde später sogar angeraten, den Vampir aus der Geschichte rauszulassen, weil das kein Mensch mehr lesen will. Das war dann auch einer der Gründe, warum ich das Manuskript weder einer Agentur noch einem Verlag angeboten hatte. Reingerutscht ist der Vampir übrigens als Reminiszenz an die Gotik-Szene, aus der das Foto von „Trywwidt“ stammt.

Trywwidt hat einige Steampunk-Elemente im Buch. Hat dich Steampunk schon immer interessiert?
Ich finde die Fantasie faszinierend, die in Steampunk steckt, das Andersdenken von Dingen, die für uns in ihrer heutigen Form und Funktionsweise selbstverständlich sind. Das erste Mal hatte ich Steampunkobjekte im Jahr 2009 in einer Ausstellung bei einem Fantasyfestival in Belgien gesehen, später dann auch in den Hellboy-Filmen, die mir mal jemand als DVD in die Hand gedrückt hatte. Wobei ich kein wirklicher Fan von Steampunk bin. Ich bin einfach nur von ungewöhnlichen Dingen leicht zu beeindrucken.

Wie bist du auf den strammen Deutschen mit wenig Intellekt gekommen, der nur so vor Klischees trotzt und deswegen nur umso realer wird?
Ich brauchte im Buch ja auch ein paar Antagonisten, also die bösen Buben und Mädchen, und da ist mir für einen der Antagonisten nichts Besseres eingefallen als der stramme Deutsche. Als ich 2012 anfing, die Idee für „Trywwidt“ zu entwickeln, hatte ich die Befürchtung, dass das viel zu unrealistisch und klischeehaft sei, einen Typ wie Ronny in die Geschichte mit reinzunehmen. Heute, vier Jahre später, ärgere ich mich aufgrund der aktuellen Entwicklungen fast, den Ronny-Strang nicht viel stärker ausgebaut zu haben. (Alle ganz lieben Ronnys dieser Welt, bitte verzeiht mir. Aber ich musste ihm doch einen Namen geben.)

Wie viel von dir selbst steckt in deinen Protagonisten? Hast du heimlich grüne Haare? Oder liebst du Orchideen und Schokolade? Oder bist du professionelle Botanikerin?
Ein Stück weit steckt vermutlich in jedem meiner Protagonisten und vielleicht sogar in den Antagonisten etwas von mir drin. Da gibt es zum Beispiel die Figur der Ira, die einen beachtlichen Schokoladenverbrauch hat und nicht gerade ein Sonnenscheinchen ist. An der Figur konnte ich meinen inneren Kritiker heiß laufen lassen, der mir im realen Leben andauernd sagt, was ich alles falsch mache. Ich hatte irgendwann einmal Naturschutz studiert, da ich mich für Pflanzen und auch für ökologische Zusammenhänge interessiere. Deshalb steckt auch ein Stück von mir in Trywwidt, die ja als Gärtnerin arbeitet und einen kritischen Blick auf uns Menschen hat, weil wir unsere natürliche Umwelt zerstören. Oder auch in Korwin, der einfach nur seine Ruhe haben will.

Wann können wir mit einer Fortsetzung rechnen?
Die Fortsetzung ist im Grunde fertig geschrieben. Im Moment lesen mein „schlimmster Kritiker“ (von dem ich Korwin Schwarzvogels Job für den Roman geklaut habe) und eine erfahrene Schriftstellerin das Manuskript. Da wird es sicher jede Menge Anmerkungen geben, die ich noch einarbeiten muss. Wenn wir richtig schnell sind und auch die Korrekturleser voll durchstarten, könnte ich es im Februar 2017 veröffentlichen. Aber das ist eine sehr optimistische Schätzung.

Wie kommst du mit deiner Facebook-Meidungs-Strategie zurecht? Funktioniert sie? Hast du schon Patent angemeldet, um anderen Facebook-Opfern zu helfen?
Da erwischst du mich auf dem falschen Fuß. Am Anfang hat das richtig viel gebracht, beim Browser für mehrere Stunden Facebook zu blockieren. Inzwischen funktioniert der Browser aber so gut wie gar nicht mehr, sodass ich auf einen anderen, leider nicht blockierten Browser ausweichen muss. Und zack! ist Facebook wieder da. Da muss ich erst noch eine Blockademöglichkeit finden. Wobei ich es inzwischen schaffe, hauptsächlich früh am Morgen und abends bei Facebook reinzuschauen und nicht den ganzen Tag darin herumzuklickern.

Welche Hilfsmittel nutzt du beim Schreiben? Kaffee, Tee, Schokolade, Haustiere?
Seit ich schreibe, bin ich von Tee auf Kaffee umgestiegen. Und dann ist da noch mein Kater Schrumpel, der gerade wieder neben mir liegt und die pure Entspannung ausdünstet.

Hast du auch Schreibblockaden? Wie überwindest du sie?
Schreibblockaden kenne ich nicht. Ich merke aber, dass es mir schwerfällt, zu schreiben, wenn ich die Tage davor zu viel und zu lange geschrieben habe. Dann mache ich einfach mal Pause und gehe die Sache langsamer an.

Belohnst du dich selbst, wenn du ein Projekt fertig hast?
Nein. Leider ist es so, dass ich, wenn ich fertig bin, nicht so richtig glauben kann, wirklich fertig zu sein. Es ist so ähnlich, wie wenn man eine umfangreiche Hausarbeit für die Schule oder die Bachelorarbeit fürs Studium abgegeben hat. Vom Kopf her weiß man: „Ich bin erlöst!“ Aber das innere Gefühl kann nicht von der Arbeit lassen.

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Vielen Dank für dieses Interview 😀

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